Turismo Comunitario

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Gemeindetourismus in Lateinamerika

Vom Tourismus sollen alle profitieren – Reisende, Reiseunternehmen und die lokale Bevölkerung. Turismo Comunitario (deutsch: Gemeindetourismus) ist eine Form des Tourismus, bei der Reisende in ländlichen Regionen Urlaub machen, um mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu treten und deren Leben, Kultur und Traditionen auf authentische Weise kennenzulernen. Gleichzeitig sollen vor Ort neue Einkommensmöglichkeiten geschaffen, die nachhaltige Entwicklung gefördert und zum Naturschutz beigetragen werden.

Gemeinsam für den Gemeindetourismus

TourCert unterstützt diesen Ansatz und beteiligt sich daher seit 2017 am Projekt Turismo Comunitario in Ecuador. Aufgrund des erfolgreichen Verlaufs wurde ein Folgeprojekt initiiert, um das Konzept auch auf die Nachbarländer Peru und Kolumbien zu übertragen. Koordiniert werden die Aktivitäten der Projekte durch die beiden gemeinnützigen Organisationen kate Umwelt und Entwicklung und VSocial Foundation. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt das Engagement finanziell. Dreh- und Angelpunkt des Projektes sind indigene Gemeinden aus Ecuador, Peru und Kolumbien, denen TourCert als Experte für Nachhaltigkeit zum Thema gemeindebasierter (englisch auch: community-based tourism) Tourismus zur Seite steht.

Mädchen in traditionellem Kostüm auf einem Umzug in Ecuador.

Das Ziel – Gemeinsame Entwicklung zur wirtschaftlichen Selbständigkeit

Der Gemeindetourismus hat als Teil der indigenen Bewegung eine langjährige Tradition in den Andenländern. Reisende erhalten hierbei authentische Einblicke in den Alltag der lokalen Bevölkerung und können hautnah mehr über indigene Kulturen erfahren, z.B. bei geführten Wanderungen, beim Helfen auf dem Feld und bei landwirtschaftlicher Arbeit, bei Workshops zum Erlernen von traditionellen Handwerken wie Töpfern und Weben oder beim gemeinsamen Kochen. Für die lokalen Gemeinden ist diese Integration in den Tourismus wichtig, sowohl um ihre Kultur weiterzugeben als auch um zusätzliche Einnahmen zu traditionellen Einkommensquellen der Land- und Viehwirtschaft zu erwirtschaften, und folglich um wirtschaftlich selbstständiger zu werden.

Folgende Leitlinien haben die Projektpartner vereinbart:

  • Stärkung der Selbstverwaltung der Gemeinden durch eine Ausgestaltung des Tourismusgeschäfts,
  • Solidarische Wirtschaftsweise und Förderung des Gemeinwohls durch gemeinschaftliche Nutzung der Erträge aus dem Tourismus sowie Schaffung von Arbeitsplätzen mit fairen Arbeitsbedingungen,
  • Wertschätzung der natürlichen Umwelt und Biodiversität und damit Bewahrung und Pflege des Natur- und Kulturerbes als elementare Lebensstrategie,
  • Förderung der sozialen Identität durch Wertschätzung der lokalen Kultur und interkultureller Austausch,
  • Qualitätsorientierung und innovative Produktentwicklung, Förderung von Servicequalität, Gästezufriedenheit und Geschäftsentwicklung.

Schritt für Schritt

Ausgangssituation verstehen

Gemeinsam mit lokalen Beratungskräften haben die Projektverantwortlichen zunächst eine Analyse des Status Quo und der Entwicklung des Gemeindetourismus in den letzten 15 Jahren durchgeführt. Ausgehend von den erhobenen Daten konnten darauffolgenden Aktivitäten zielgruppengerecht geplant, gestaltet und umgesetzt werden.

Messbare Standards entwickeln

Mit Unterstützung der lokalen Projektverantwortlichen entwickelte TourCert einen allgemeingültigen Kriterienkatalog als Leitfaden für die Wirtschaftsweise des gemeindebasierten Tourismus. Die Gemeinden diskutierten und evaluierten diesen auf Basis ihrer Praxiserfahrungen.

Pilotprozess starten

Zunächst wird in fünf Pilotgemeinden in Ecuador, fünf Gemeinden in Peru und drei Pilotgemeinden in Kolumbien der Kriterienkatalog eingeführt und überprüft. Abschließend erfolgt die Zertifizierung durch TourCert. Die erste Gemeinde Yunguilla ist bereits erfolgreich zertifiziert worden. Ergänzend unterstützt das Projektteam die Gemeinden und ihre touristische Entwicklung durch themenspezifische Workshops zur Produktentwicklung und Vermarktung.

Aus Erfahrungen lernen

Nach den Pilotdestinationen wird das Modell in weitere Gemeinden der Andenländer übertragen. Hierbei werden die gewonnenen Erkenntnisse aus den Pilotprozessen berücksichtigt. Der Verband und die Pilotgemeinden stehen interessierten weiteren Gemeinden für Veranstaltungen und für Hilfestellungen zur Verfügung.

Verbreiten und vernetzen

Ziel ist der langfristige Austausch zwischen den Gemeinden und Marketingmaßnahmen zur Verbreitung des Modells. TourCert unterstützt die Kampagne durch eigene Marketingaktionen und fördert den Austausch mit anderen Mitgliedern aus der Community.

Gemeinsame Erfolgsgeschichte

Seit dem Start des Projekts im Mai 2017 hat sich einiges getan:

Kriterienkatalog

Für das Organisationsmodell des Gemeindetourismus wurde im Austausch mit lokalen Partnern und den Gemeinden ein neuer Kriterienkatalog erarbeitet. Insbesondere wurde dieser hinsichtlich regionaler Unterschiede und länderspezifischer Besonderheiten überarbeitet und angepasst. Der Kriterienkatalog kann somit über das Projektende hinaus genutzt werden und ermöglicht damit zukünftig die Zertifizierung von Gemeindetourismusinitiativen in Lateinamerika.

Pilotgemeinden

Das verbesserte Organisationsmodell mit Zertifizierungssystem wird momentan in mehreren Pilotgemeinden in Ecuador, Peru und Kolumbien umgesetzt. Die Gemeinde Yunguilla in Ecuador wurde Ende 2018 als erste indigene Gemeinde mit dem TourCert Siegel erfolgreich zertifiziert. Dieser Erfolg soll nun auch auf weitere Gemeinden übertragen werden.

Transfer

Das TourCert-System für Gemeindetourismus hat den ersten Praxistest in den Pilotgemeinden in Ecuador erfolgreich bestanden. Aus diesem Grund wurde das Engagement auch auf weitere Länder Lateinamerikas übertragen und ein andines Netzwerk aufgebaut.

Multiplikation

Das länderübergreifende Netzwerk mit den Partnerorganisationen, Verbänden und politischen Institutionen vor Ort zeigt Wirkung. Die Turismo Comunitario Projekte stoßen auf eine hohe Akzeptanz und großes Interesse der lokalen Bevölkerung. Es gibt bereits Anfragen von weiteren interessierten Gemeinden, die auch in den Prozess einsteigen möchten.

Werden Sie Teil der Initiative!

Gemeindetourismus ist die neue Art der Begegnungsreisen – authentisch, unverfälscht und ein echtes Highlight für Ihr Produktportfolio. Zur Vermarktung der in den Gemeinden entwickelten Angeboten wird auch der Dialog und die Zusammenarbeit mit deutschen Reiseveranstaltern gesucht. Haben Sie Interesse an einer Zusammenarbeit oder an weiteren Informationen? Melden Sie sich gerne bei uns.

Günter Koschwitz

Head of Audit & Development

koschwitz@tourcert.org

+49 711 24839711

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