TourCert Journal

Menschenrechte im Tourismus – wichtiger denn je

Strand mit bewölktem Himmel

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Oft bleiben die Phänomene für Reisende unsichtbar: Ungerechtigkeit, Ausbeutung oder Missbrauch von Menschen am Urlaubsort. Hier gilt es sowohl für Touristen als auch Hotels und Reiseunternehmen, Farbe zu bekennen.

Jobs im Tourismus sind häufig schlecht bezahlt. Auch in Deutschland ist die Branche für niedrige Löhne bekannt. Weltweit sind die Arbeitsbedingungen oft prekär, 24-Stunden-Schichten, unbezahlte Überstunden und befristete Arbeitsverträge an der Tagesordnung. Aber auch vor Ort in den Urlaubszielen kann sich die Tourismusbranche für mehr Gleichheit einsetzen, z.B. für faire Arbeitsbedingungen und Bezahlung sorgen, anonyme Beschwerdestellen einrichten, Reisende zu Menschenrechtsthemen sensibilisieren und sich generell auf die Einhaltung von Menschenrechts- und Sicherheitsstandards als Voraussetzung für die Zusammenarbeit einigen.

Frau auf Schaukel

Ein Reiseveranstalter kann sich beispielsweise darüber informieren, wie die Unternehmen vor Ort arbeiten, sich gegen Preisdumping und für eine faire Preisgestaltung einsetzen. Ein Hotelbetrieb hingegen kann seine Personalpolitik durch gute Arbeitsbedingungen und Bezahlung fair gestalten – und auch die Gleichstellung von Frauen fördern. Dabei gewinnen alle: Das Personal fühlt sich wertgeschätzt, was ein entscheidender Faktor für gute Stimmung ist. Das spüren wiederum die Gäste vor Ort und fühlen sich wohler.

Das Thema Menschenrechte ist bei TourCert fester Bestandteil des Zertifizierungsprozesses und in den Nachhaltigkeitskriterien verankert. Auch im Rahmen des Einstiegsystems TourCert Check verpflichten sich Unternehmen zu Leitlinien, die Diskriminierung und Korruption unterbinden und Gesundheit, Privatsphäre und von besonders gefährdeten Personen wie Kindern, Frauen, indigenen Völkern, Menschen mit Behinderung und Minderheiten fördern.

Asiatischer Junge zwischen Palmen

Um das wichtige Thema Menschenrechte in den Köpfen der Tourismusfachkräfte zu verankern, bietet TourCert das E-Learning Travel for Tomorrow Basic zu Grundlagen der Nachhaltigkeit im Tourismus an und widmet hierbei einen speziellen Teil dem Thema Begegnungen auf Augenhöhe, Menschenrechte, faire Arbeitsbedingungen, Schutz von Kindern. Der Leitfaden von „Roundtable Human Rights in Tourism“ bietet insbesondere für Reiseveranstalter weitere Informationen.

Auch die Reisenden selbst können ihren Teil dazutun. Machen Sie Urlaub auf Augenhöhe und setzen Sie sich vor ihrem Urlaub mit dem Reiseland und der Kultur und Mentalität auseinander, um Interesse und Respekt zu demonstrieren. Mehr dazu in unseren „Tipps für verantwortungsvolles Reisen“.

Ein Screenshot von der Titelseite des E-Learnings.

Ein besonders sensibles Thema im Tourismus sind Kinder, Kinderarbeit und Prostitution. In touristischen Gebieten sind besonders Frauen, Kinder und ethnische Minderheiten einem erhöhten Risiko ausgesetzt, Opfer von (sexueller) Gewalt zu werden. Die Initiative The Code bekräftigt die Verpflichtungen der Tourismusbranche im Hinblick auf den Kampf gegen Kindersextourismus. Die Reiseunternehmen, die sich diesem Code anschließen, ergreifen Gegen-Maßnahmen, z.B. durch die Schulung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kinderrechten, eine Nulltoleranz-Politik und die Aufklärung von Touristen.

Gemeinsam mit The Code setzt sich TourCert für den Schutz von Kindern ein und hat sich zum Ziel gesetzt, für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren. In Zusammenarbeit mit der Initiative sollen die Kinderschutzpraktiken unter den Tourismusunternehmen gefördert, das Bewusstsein für das Verbrechen des Kindersextourismus erhöht und der Verhaltenskodex weiter aktiv verbreitet werden. Mehr dazu finden Sie in unserem Blogbeitrag zur Kooperation.

Bewölkter Strand mit Sonnenschirmen

Die Sicherung der Menschenrechte ist ebenfalls eines der Hauptmotive unseres Projektes Turismo Comunitario in Ecuador. Das Projekt hat zum Ziel, die wirtschaftliche Selbstbestimmung indigener Gemeinden zu stärken und dadurch einen Beitrag zur Armutsbekämpfung und Förderung des natürlichen Reichtums zu leisten.

Im Rahmen unseres weiteren Projektes TourCert Latina stärken wir die Menschenrechte in den Projektländern Ecuador, Peru, Kolumbien und Costa Rica, indem wir einen Empowerment-Ansatz verfolgen. Wir sensibilisieren und schulen Menschen vor Ort zu sozialen und ökologischen Problemstellungen und sorgen auf diese Weise dafür, dass sich Strukturen eigenständig weiterentwickeln und dauerhaft verankern.

Frau alte Frauen am Straßenrand in Peru

Im Rahmen der genannten Projekte und diverser Beratungen, Schulungen und Zertifizierungen konnten wir die unterschiedlichsten Personengruppen, von den Reisenden über Tourismusfachkräfte und Geschäftsführer bis hin zu politischen Akteuren und schließlich indigenen Gemeinden, für das Thema Menschenrechte sensibilisieren und weiterbilden – und möchten zu aktiver Umsetzung und Unterstützung bei diesem wichtigen Thema aufrufen.

Lesen Sie mehr zur „Macht der Reisenden“ in der aktuellsten Presseaussendung der Naturfreunde Internationale.

Das Video des forum anders reisen zeigt die Thematik sehr anschaulich.

In diesem Wissensmodul Menschenrechte im Tourismus von fairwärts kann man sich selbst online zum Thema informieren um Menschenrechtsverletzungen im Tourismus zu verhindern.

Tags
Menschenrechte, Roundtable Human Rights, The Code, Tourismus

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